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Crowdfunding und KMU-Finanzierung erleichtert

Mit September 2015 ist das Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG) in Kraft getreten. Es schafft klare gesetzliche Rahmenbedingungen für Crowdfunding und vereinfacht darüber hinaus die Finanzierung mittelständischer Unternehmen über den Kapitalmarkt.

Geltungsbereich

Unter den Anwendungsbereich des AltFG fallen Unternehmen die weniger als 250 Personen beschäftigen und entweder einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro erzielen oder deren Jahresbilanzsumme sich auf höchstens 43 Millionen beläuft. Ausgenommen sind Unternehmen, die nach dem Bankwesengesetz, Wertpapieraufsichtsgesetz, Alternativen Investmentfonds-Manager-Gesetz, Zahlungsdienstegesetz, Versicherungsaufsichtsgesetz oder E-Geldgesetz konzessioniert sind.

Weitere Voraussetzung ist, dass das eingeforderte Kapital durch Ausgabe alternativer Finanzinstrumente unmittelbar für die operative Tätigkeit des Unternehmens gesammelt wird und zumindest an 150 oder mehr Anleger im Sinne des Kapitalmarktgesetzes (KMG) ein öffentliches Angebot vorausgehen muss. Dieser breite Anwendungsbereich öffnet somit Crowdfunding einer ganzen Reihe von KMU und ist nicht notwendigerweise auf das Start-up-Geschäft beschränkt.

Das bislang zulässige maximale Emissionsvolumen von 250.000 Euro wurde nunmehr auf 1,5 Millionen Euro angehoben und ermöglicht, größere Investitionsvorhaben zu finanzieren. Lediglich über einen Zeitraum von sieben Jahren dürfen nicht mehr als 5 Millionen Euro eingesammelt werden, sonst greift die Prospektpflicht nach dem KMG.

Von einem einzelnen Anleger dürfen innerhalb eines Zeitraumes von 12 Monaten nicht mehr als 5.000 Euro entgegengenommen werden, wobei Ausnahmen für professionelle Anleger und Personen mit hohem Einkommen bestehen.

Finanzierungsformen

Das AltFG erfasst ausschließlich Aktien, Anleihen, Geschäftsanteile an Kapitalgesellschaften und Genossenschaften sowie die in der Praxis sehr gängigen Genussrechte, stille Beteiligungen und Nachrangdarlehen. Erfasst sind nur solche Finanzierungsformen, bei denen eine finanzielle Gegenleistung für die Zurverfügungstellung der Gelder vereinbart ist. Spenden fallen damit nicht darunter.

Neue Prospektpflichtschwelle

Durch die Novelle des Kapitalmarktgesetzes kommt es unabhängig von der Anwendbarkeit des AltFG zu einer erheblichen Erleichterung. Für Angebote von Wertpapieren und Veranlagungen unter 5 Millionen Euro innerhalb von 12 Monaten bestehen unabhängig vom Finanzinstrument und vom Emittenten eine „Prospektpflicht light“ mit deutlich reduzierten Anforderungen.

Neben den Angaben über das Unternehmen und das alternative Finanzinstrument sind der aktuelle Jahresabschluss, der Geschäftsplan einschließlich der Angabe des angestrebten Emissionsvolumens, das durch die Ausgabe alternativer Finanzinstrumente aufgebracht werden soll, das Vorgehen, wenn das Emissionsvolumen nicht erreicht wird sowie die Emissionsbedingungen oder sonstige Vertragsbedingungen des Finanzinstruments zu veröffentlichen. Diese Mindestinformationen sind von einem Experten (Rechtsanwalt, Wirtschaftstreuhänger, Notar, Wirtschaftskammer, Unternehmensberater oder Vermögensberater) zu bestätigen. Das sogenannte Informationsblatt ist den Anlegern und dem Verein für Konsumenteninformation zu übermitteln.

Erst ab einem Emissionsvolumen von 5 Millionen Euro ist ein vollständiger Prospekt zu erstellen.

Resümee: Crowdfunding erfährt durch das AltFG erhebliche Erleichterungen und die Novelle des KMG bringt KMU, die sich im niedrigeren einstelligen Millionenbereich finanzieren wollen, Vorteile. Was bleibt, ist aber die Tatsache, dass sich Emittenten nach wie vor in einem komplexen rechtlichen Umfeld bewegen.

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