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Home-Office in der Corona-Krise: Begründet ein Homeoffice eine Betriebsstätte?

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Aufgrund der Corona-Krise arbeiten zahlreiche Arbeitnehmer derzeit im Homeoffice. Für viele ist es die erste Erfahrung mit einem Homeoffice. Liegt das Homeoffice nicht in jenem Staat, in dem der Dienstnehmer üblicherweise tätig wird, ergeben sich daraus zahlreiche steuerliche Fragen. (Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag zur Regelung für Pendler zwischen Österreich und Deutschland ). Viele Unternehmen stellen sich nun die Frage, ob eine Tätigkeit des Mitarbeiters im ausländischen Homeoffice zu einer ertragsteuerlichen Betriebstätte führen kann. Wir gehen dieser Frage nach:

 

In der Vergangenheit haben sich international Finanzbehörden, Judikatur und Literatur schon mehrfach mit der Frage beschäftigt, ob durch die Beschäftigung eines Dienstnehmers, der von seiner eigenen Wohnung aus tätig wird, für den nicht im selben Staat ansässigen Dienstgeber eine Betriebsstätte im steuerlichen Sinn begründet werden kann. Grundsätzlich ist es möglich, dass durch die Tätigkeit des Dienstnehmers im Homeoffice eine feste Geschäftseinrichtung und in weiterer Folge auch eine ertragsteuerliche Betriebsstätte des Dienstgebers iSd Art 5 Abs 1 OECD-Musterabkommen vorliegt.

 

Nach Ansicht des österreichischen BMF müssen für eine Betriebstätte insbesondere folgende Voraussetzungen gegeben sein:

 

  • Dauerhaftigkeit: Ein Homeoffice muss dauerhaft zur Ausübung einer betrieblichen Tätigkeit des Arbeitgebers genutzt werden. Die bloß sporadische oder gelegentliche Nutzung des Homeoffice eines Arbeitnehmers ist mangels ausreichender Verfügungsmacht nicht betriebstättenbegründend.
  • Verfügungsmacht: Indem der Arbeitnehmer – in Abstimmung mit dem Arbeitgeber – seiner Tätigkeit in nennenswertem Ausmaß von seinem Homeoffice aus nachgeht, verschafft er dem Arbeitgeber durch die Ausübung der Tätigkeit faktische Verfügungsmacht über sein häusliches Arbeitszimmer. Insbesondere ist dies der Fall, wenn der Arbeitgeber vom Arbeitnehmer verlangt, im Homeoffice zu arbeiten und ihm keinen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt.

 

Liegen grundsätzliche die Voraussetzungen für eine Betriebstätte vor, ist im nächsten Schritt aber noch zu prüfen, ob die Tätigkeiten, die vom Homeoffice ausgeübt werden, über reine Hilfstätigkeiten hinausgehen. Ist dies nicht der Fall, liegt keine ertragsteuerliche Betriebstätte im Sinne der Doppelbesteuerungsabkommen vor.

 

Die starke Zunahme an Homeoffice-Aktivitäten aufgrund der Corona-Krise könnte für viele Unternehmen zu einem erhöhten Betriebstätten-Risiko führen. Im Papier „OECD Secretariat Analysis of Tax Treaties and the Impact of the COVID-19 Crisis”, welches am 3. 4. 2020 veröffentlicht wurde, gibt das OECD Secretariat seine Einschätzung zu abkommensrechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der COVID-19-Krise ab. Darin führt die OECD zunächst allgemein aus, dass durch die COVID-19-Krise grundsätzlich keine Änderungen bei der Betriebstättenbeurteilung erfolgen sollten. Auch der Umstand, dass derzeit sehr viele Dienstnehmer im Homeoffice arbeiten, sollte grundsätzlich keine zusätzlichen Betriebsstätten begründen. Nach Auffassung des OECD Secretariat geschieht die Arbeit vom Homeoffice aus in der aktuellen Lage in der Regel aufgrund von staatlichen Anweisungen bzw höherer Gewalt. In den meisten Fällen wird diese Homeoffice-Tätigkeit nicht von dauerhafter Natur sein. Zudem würde dem Arbeitgeber vielfach auch die Verfügungsmacht über das Homeoffice des Dienstnehmers fehlen. Nach Einschätzung des OECD Secretariat ist es auch unwahrscheinlich, dass die Tätigkeiten von Vertretern, die eine Abschlussvollmacht besitzen und die nur während der COVID-19-Krise ihre Tätigkeit im Heimatland ausüben, zu einer Vertreterbetriebsstätte führen können.

 

Durch die COVID-19-veranlasste Homeoffice-Tätigkeit des Dienstnehmers sollte es daher in der Regel zu keiner Begründung von Betriebsstätten kommen. Da es dazu noch wenig Aussagen der einzelnen Länder gibt, ist das Bestehen einer Betriebstätte jedoch in jedem Einzelfall gesondert zu prüfen und gegebenenfalls auch mit den Finanzbehörden abzustimmen.

 

Bei Fragen dazu, steht Ihnen Mag.(FH) Edith Huber-Wurzinger gerne zur Verfügung.

Kontakt:
Mag. Edith Huber-Wurzinger
Tel. +43 316 327 940 819
E-Mail: edith.wurzinger@gaedke.co.at

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