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Nutzen Sie Pauschalierungsmöglichkeiten – Teil 2: Verordnungspauschalierungen

Teil 2 – Verordnungspauschalierungen in der Einkommensteuer

Für Unternehmen, die bestimmte Größengrenzen nicht überschreiten gibt es im Einkommensteuerrecht sowie auch im Umsatzsteuerrecht verschiedene Möglichkeiten zur vereinfachten Steuerermittlung. Prüfen Sie in regelmäßigen Abständen, ob Sie durch Anwendung einer Pauschalierung Steuern sparen können. Im ersten Teil haben wir uns bereits generell mit Betriebsausgabenpauschalierungen und im Speziellen mit der Basispauschalierung in der Einkommensteuer beschäftigt. Im zweiten Teil nehmen wir nunmehr die Verordnungspauschalierungen im Einkommensteuerrecht unter die Lupe.

Wie in Teil 1 unserer Serie zu den Pauschalierungsmöglichkeiten dargestellt, können Freiberufler und Gewerbetreibende unter bestimmten Voraussetzungen die Basispauschalierung des § 17 Abs 1 bis 3 EStG anwenden. Daneben enthält § 17 Abs 4 bis 5a EStG die Möglichkeit für Gruppen von Steuerpflichtigen weitere Durchschnittssätze per Verordnung festzulegen.

Aufgrund dieser Bestimmung wurde eine Verordnung über die Ermittlung des Gewinnes für nicht buchführende Land- und Forstwirte erlassen. Details zu diesen sehr umfangreichen Bestimmungen würden den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Bei Fragen helfen Ihnen unsere Spezialisten im Bereich Land- und Forstwirtschaft gerne weiter.

Bestimmte nicht buchführende Gewerbetreibende können alternativ zur Basispauschalierung die sogenannte „Branchenpauschalierung“ anwenden. Diese sieht für die Berechnung der Betriebsausgaben branchenspezifische Prozentsätze vor. Die entsprechende Verordnung beinhaltet in alphabetischer Reihenfolge – vom Bandagisten bis zum Zahntechniker – insgesamt 54 (inkl. artverwandter) Berufe mit den dazugehörigen Durchschnittssätzen. Die Prozentsätze von 5,2% für Fleischer bis 20,8% für Münzreinigungsbetriebe dienen bezogen auf den Nettoumsatz zur Berechnung der Betriebsausgaben.

Für die Anwendung der Branchenpauschalierung müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Es besteht keine Buchführungspflicht und es werden keine ordnungsmäßigen Bücher geführt, die eine Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich ermöglichen.
  • Der Gesamtumsatz aus der Tätigkeit hat in einem der beiden vorangegangenen Kalenderjahre nicht mehr als € 110.000 Euro betragen.
  • Die Umsatzsteuer wird nach vereinnahmten Entgelten berechnet (Istbesteuerung).
  • Das Wareneingangsbuch und die gemäß der Verordnung erforderlichen Aufzeichnungen werden ordnungsmäßig geführt.


Hinweis:
Bisher war das Führen einer vollständigen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung schädlich für die Anwendung einer Branchenpauschalierung. Seit 1. Jänner 2018 ist durch die Neufassung der Verordnung ein unterjähriges Aufbuchen als Einnahmen-Ausgaben-Rechnung unschädlich. Am Jahresende besteht die Möglichkeit, die Gewinnermittlung gemäß § 4 Abs 3 EStG (vollständige Einnahmen-Ausgaben-Rechnung) oder aufgrund einer Pauschalierung gemäß § 17 Abs 4 EStG durchzuführen.

Neben der Pauschale können folgende Aufwendungen zusätzlich geltend gemacht werden:

  • Ausgaben für Handelswaren, Roh- und Hilfsstoffe, Halberzeugnisse und Zutaten (laut Wareneingangsbuch),
  • Löhne, Gehälter und Lohnnebenkosten,
  • Fremdlöhne, soweit diese in die gewerbliche Leistung eingehen,
  • Absetzung für Abnutzung (inkl. Sonderformen) und geringwertige Wirtschaftsgüter,
  • steuerfreie Beträge betreffend Übertragung stiller Reserven,
  • Dotierung von Abfertigungsansprüchen,
  • Ausgaben für Miete oder Pacht, Energie, Beheizung, Post und Telefon,
  • abgeführte Umsatzsteuer (ausgenommen USt vom Eigenverbrauch) und Umsatzsteuer (Vorsteuer) für aktivierungspflichtige Aufwendungen,
  • Beiträge zur Pflichtversicherung in der gesetzlichen Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung

 
Daneben gibt es noch eigene Pauschalierungsverordnungen für Drogisten, Gastwirte, Handelsvertreter, Lebensmitteleinzel- und Gemischtwarenhändler, Sportler, Künstler und Schriftsteller.

Treffen die Voraussetzungen für die Basispauschalierung sowie für eine Branchenpauschalierung zu, so hat der Steuerpflichtige die freie Wahl, welche er in Anspruch nehmen möchte.

Achtung: Wird der Gewinn nach Durchschnittssätzen oder durch Teil- oder Vollpauschalierung auch nur teilweise mit Pauschalbeträgen ermittelt, kann als Gewinnfreibetrag nur der Grundfreibetrag geltend gemacht werden. Der Ansatz eines investitionsbedingten Gewinnfreibetrages ist nicht möglich.

Bei Fragen zu diesem Thema wenden Sie sich bitte an Frau Mag. (FH) Edith Huber-Wurzinger.

Kontakt:
Tel.: +43 316 327940 819
Email: edith.wurzinger@gaedke.co.at

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